Was die neue Pflegereform für Sie zu Hause bedeutet
Damit aus dem PNOG kein „PNOGchio“ wird:
Das Problem: Eine Reform, die anders klingt, als sie wirkt
Fünf Änderungen, die Ihren Alltag treffen
1) Die Zerschlagung der Beratungsstrukturen

Sie verlieren Ihren wichtigsten und vertrautesten Ansprechpartner. Statt einer Pflegekraft, die Sie kennt und die auch Freitag-Nachmittags nach einer plötzlichen Krankenhausentlassung für Sie da ist, warten Sie künftig auf ein System, das heute nur 3 Prozent der Pflegebedürftigen erreicht.
Quelle: GKV-Spitzenverband, Bericht des GKV-Spitzenverbandes nach § 7a Abs. 9 SGB XI, Juni 2023; ergänzend: IGES, Evaluation der Pflegeberatung und Pflegeberatungsstrukturen gemäß § 7a Absatz 9 SGB XI, Abschlussbericht, Februar 2023.
Bewährte, sinnvolle Aufgaben brechen weg. Bis zu 20.000 Pflegefachkräfte müssten der direkten Versorgung entzogen werden, um die neue „Beratungsstruktur“ aufzubauen.
Ein gut funktionierendes System wird abgeschafft, um es anderswo teuer und langsam neu aufzubauen – ohne erkennbaren Mehrwert.
2) Wegfall von Verhinderungspflege und Entlastungsbetrag (131 €) – stattdessen kommt ein Sozialraumbudget

Wenn Sie als pflegender Angehöriger einmal selbst ausfallen oder nicht mehr können, wird es künftig schwieriger, schnell passende Hilfe zu bekommen. Auch Leistungen wie Haushaltshilfe, Einkaufsservice oder individuelle Betreuungsangebote sind gefährdet. Für viele Familien wird das Leben zu Hause dadurch deutlich belastender. Der Grund: Verhinderungspflege und Entlastungsleistungen dürfen dann nicht mehr von Pflegediensten erbracht werden, sondern ausschließlich durch anerkannte Nachbarschaftshilfen oder anerkannte Betreuungsdienste. Außerdem entfällt die Möglichkeit, nicht verbrauchte monatliche Entlastungsbeträge anzusparen.
Damit werden die bisherigen Wahlmöglichkeiten spürbar eingeschränkt. Gleichzeitig wird das Budget der Verhinderungspflege, das in den vergangenen Jahren schrittweise erhöht wurde, voraussichtlich um etwa die Hälfte gekürzt und die Verhinderungspflege und der Entlastungsbetrag soll in ein Sozialraumbudget zusammengeführt werden, in dem die Nutzung dieser Leistungen deutlich erschwert werden.
Ambulanten Diensten, Tagespflegen und Kurzzeitpflegen wird eine wesentliche Finanzierungsgrundlage entzogen. Wirtschaftlich tragfähige Angebote drohen wegzubrechen.
Die Reform verspricht, häusliche Pflege zu stabilisieren. Tatsächlich schwächt sie genau die Angebote, die Menschen ein Verbleiben im eigenen Zuhause ermöglichen.
3) Anpassung des Begutachtungsinstrumentes

4) Die Ignoranz gegenüber dem Personalmangel

Weniger Personal bedeutet weniger Zeit für Sie. Es bedeutet längere Wartezeiten und die Gefahr, dass gewohnte Versorgung nicht mehr überall gesichert ist.
Die Aussetzung der Refinanzierung belastet die Arbeitgeber zusätzlich. Gleichzeitig sollen tausende Fachkräfte in neue Strukturen abwandern – Kräfte, die in der direkten Pflege dringend fehlen.
Bald geht rund ein Fünftel der Pflegekräfte in den Ruhestand. Statt gegenzusteuern, verschärft der Entwurf die Lage.
5) Die Ungleichbehandlung bei der Gehaltsrefinanzierung

Wenn private Dienste unter unfairen Bedingungen arbeiten müssen, gefährdet das ihr Bestehen. Am Ende geht es um Ihre Versorgung und um Ihre freie Wahl des Dienstes.
Für private Anbieter der häuslichen Krankenpflege, Haushaltshilfe und außerklinischen Intensivpflege entsteht eine gesetzlich verordnete Wettbewerbsverzerrung.
Die ungleiche Behandlung befeuert das Abwerben von Pflegekräften – politisch entfacht, in einer Zeit, in der jede Kraft zählt.
Warum uns das nicht ruhen lässt
Die Lösung: Gemeinsam für eine ehrliche Reform

- Bewährte Beratungsstrukturen erhalten und die vertraute Nähe zu den Pflegediensten bewahren.
- Die Flexibilität der Verhinderungspflege und ambulanter Angebote schützen, damit Familien handlungsfähig bleiben.
- Den Personalmangel endlich ernst nehmen und Teams entlasten, statt sie zusätzlich zu belasten.
- Faire Refinanzierung für alle Dienste sicherstellen – gleiche Regeln für gleiche Arbeit.
Hinter der Initiative steht der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e.V. (bpa) – die größte Interessenvertretung privater Pflege- und Sozialdienstleister in Deutschland, mit mehr als 14.000 Mitgliedseinrichtungen. Der bpa hat die Initiative PNOGchio ins Leben gerufen, um auf die gravierenden Schwächen des Gesetzesentwurfs aufmerksam zu machen und eine deutliche Nachbesserung im parlamentarischen Verfahren einzufordern. Weitere Informationen finden Sie unter https://www.bpa.de/pnog.
Wir bei der AIR Kranken- und Intensivpflege GmbH sind als ambulanter Pflegedienst unmittelbar von den geplanten Änderungen betroffen. Die drohenden Einschnitte bei Beratungsleistungen, Verhinderungspflege und Gehaltsrefinanzierung treffen uns – und damit auch die Menschen, die wir täglich versorgen – direkt. Deshalb tragen wir die Anliegen des bpa aus voller Überzeugung mit: Gute Pflege braucht faire Rahmenbedingungen. Und die müssen jetzt eingefordert werden.
Was Sie jetzt tun können
- Informieren Sie sich über die Hintergründe der Initiative auf https://www.bpa.de/pnog.
- Sprechen Sie darüber – in Ihrer Familie, mit Nachbarn und Freunden. Teilen Sie diesen Beitrag.
- Machen Sie Ihre Sorgen sichtbar, damit die Stimme der Pflege im politischen Verfahren gehört wird.
Pflege lebt von Vertrauen, Nähe und Verlässlichkeit. Lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass genau diese Werte auch im neuen Gesetz Bestand haben. Für die Menschen, die Pflege brauchen – und für alle, die sie mit Herz leisten.
Ihre AIR Kranken- und Intensivpflege GmbH
