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Was die neue Pflegereform für Sie zu Hause bedeutet

Was die neue Pflegereform für Sie zu Hause bedeutet

Damit aus dem PNOG kein „PNOGchio“ wird:

Pflege betrifft uns alle. Vielleicht pflegen Sie gerade Ihre Mutter, Ihren Partner oder Ihr Kind. Vielleicht sind Sie selbst auf Hilfe angewiesen. Und genau deshalb sollten Sie wissen, was das geplante Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) mit sich bringt.
In diesem Beitrag erklären wir Ihnen in klarer, verständlicher Sprache, was hinter der geplanten Reform steckt. Wir zeigen Ihnen, wie sich fünf zentrale Änderungen konkret auf Ihr Leben, Ihre Familie und Ihre Versorgung zu Hause auswirken. Und wir sagen Ihnen ehrlich, warum wir uns große Sorgen machen – und was Sie jetzt tun können.

Das Problem: Eine Reform, die anders klingt, als sie wirkt

Die Regierung möchte das PNOG als guten Schritt für die Pflege verkaufen. Das klingt zunächst beruhigend. Doch wer genauer hinsieht, entdeckt einen tiefen Widerspruch.
Statt die Versorgung zu stärken, schwächt der aktuelle Entwurf sie an vielen Stellen. Bewährte Leistungen fallen weg. Vertraute Ansprechpartner verschwinden. Der Personalmangel wird ignoriert. Und all das trifft am Ende die Menschen, die auf Pflege angewiesen sind – und ihre Angehörigen.
Wir bei der AIR Kranken- und Intensivpflege GmbH begegnen Ihnen mit Offenheit und Ehrlichkeit. Deshalb sagen wir klar: Dieser Entwurf braucht dringend eine Nachbesserung. Damit aus dem PNOG kein „PNOGchio“ wird – ein Gesetz, das etwas anderes verspricht, als es hält.

Fünf Änderungen, die Ihren Alltag treffen

Wir haben die vier wichtigsten Problembereiche für Sie übersetzt. Für jeden Bereich vergleichen wir drei Sichtweisen nebeneinander: die der Pflegebedürftigen und Angehörigen, die der Pflegeunternehmen und die des Staates. So sehen Sie auf einen Blick, wo die Rechnung nicht aufgeht.

1) Die Zerschlagung der Beratungsstrukturen

Zerschlagung der Beratungsstrukturen
Heute beraten Pflegedienste die Menschen direkt zu Hause. Sie kennen die Familie, die Wohnung, die Sorgen. Künftig sollen Kassen und Kommunen diese Aufgabe übernehmen – Pflegedienste dürften sie nicht mehr leisten.

Sie verlieren Ihren wichtigsten und vertrautesten Ansprechpartner. Statt einer Pflegekraft, die Sie kennt und die auch Freitag-Nachmittags nach einer plötzlichen Krankenhausentlassung für Sie da ist, warten Sie künftig auf ein System, das heute nur 3 Prozent der Pflegebedürftigen erreicht.

Quelle: GKV-Spitzenverband, Bericht des GKV-Spitzenverbandes nach § 7a Abs. 9 SGB XI, Juni 2023; ergänzend: IGES, Evaluation der Pflegeberatung und Pflegeberatungsstrukturen gemäß § 7a Absatz 9 SGB XI, Abschlussbericht, Februar 2023.

Bewährte, sinnvolle Aufgaben brechen weg. Bis zu 20.000 Pflegefachkräfte müssten der direkten Versorgung entzogen werden, um die neue „Beratungsstruktur“ aufzubauen.

Ein gut funktionierendes System wird abgeschafft, um es anderswo teuer und langsam neu aufzubauen – ohne erkennbaren Mehrwert.

Kurz gesagt: Man reißt etwas ein, das jeden Tag hilft, und ersetzt es durch etwas, das kaum jemanden erreicht.

2) Wegfall von Verhinderungspflege und Entlastungsbetrag (131 €) – stattdessen kommt ein Sozialraumbudget

Wegfall Verhinderungspflege
Die Verhinderungspflege ist heute ein flexibles Sicherheitsnetz. Sie springt ein, wenn pflegende Angehörige einmal ausfallen, krank werden oder eine Pause brauchen. Genau diese Flexibilität soll wegfallen. Stattdessen sollen Pflegenotdienste und Notbetreuungsdienste entstehen, allerdings mit einer deutlich geringeren Budgetierung aber erhöhter Bürokratisierung.

Wenn Sie als pflegender Angehöriger einmal selbst ausfallen oder nicht mehr können, wird es künftig schwieriger, schnell passende Hilfe zu bekommen. Auch Leistungen wie Haushaltshilfe, Einkaufsservice oder individuelle Betreuungsangebote sind gefährdet. Für viele Familien wird das Leben zu Hause dadurch deutlich belastender. Der Grund: Verhinderungspflege und Entlastungsleistungen dürfen dann nicht mehr von Pflegediensten erbracht werden, sondern ausschließlich durch anerkannte Nachbarschaftshilfen oder anerkannte Betreuungsdienste. Außerdem entfällt die Möglichkeit, nicht verbrauchte monatliche Entlastungsbeträge anzusparen.

Damit werden die bisherigen Wahlmöglichkeiten spürbar eingeschränkt. Gleichzeitig wird das Budget der Verhinderungspflege, das in den vergangenen Jahren schrittweise erhöht wurde, voraussichtlich um etwa die Hälfte gekürzt und die Verhinderungspflege und der Entlastungsbetrag soll in ein Sozialraumbudget zusammengeführt werden, in dem die Nutzung dieser Leistungen deutlich erschwert werden.   

Ambulanten Diensten, Tagespflegen und Kurzzeitpflegen wird eine wesentliche Finanzierungsgrundlage entzogen. Wirtschaftlich tragfähige Angebote drohen wegzubrechen. 

Die Reform verspricht, häusliche Pflege zu stabilisieren. Tatsächlich schwächt sie genau die Angebote, die Menschen ein Verbleiben im eigenen Zuhause ermöglichen.

Kurz gesagt: Man reißt etwas ein, das jeden Tag hilft, und ersetzt es durch etwas, das kaum jemanden erreicht.

3) Anpassung des Begutachtungsinstrumentes

Begutachtungsinstrument
Die Grenzwerte zur Einstufung in einen Pflegegrad sollen deutlich angehoben werden. Das bedeutet konkret: Pflegebedürftige Menschen müssen künftig einen höheren Unterstützungsbedarf haben, um Leistungen in den Pflegegraden 1 bis 5 zu erhalten. Dadurch entsteht der Eindruck, als würden unterstützungsbedürftige Menschen von heute auf morgen selbstständiger werden.
Außerdem entfällt im Pflegegrad 1 der Anspruch auf den monatlichen Entlastungsbetrag von 131 Euro. Gleichzeitig gibt es keinen Bestandsschutz mehr für Menschen, die derzeit bereits Leistungen im Pflegegrad 1 beziehen.

4) Die Ignoranz gegenüber dem Personalmangel

Personalmangel
Die größte Sorge in der Pflege ist der Fachkräftemangel. Der Entwurf ignoriert dieses Problem – und schafft sogar neue Belastungen für die Teams.

 Weniger Personal bedeutet weniger Zeit für Sie. Es bedeutet längere Wartezeiten und die Gefahr, dass gewohnte Versorgung nicht mehr überall gesichert ist.

 Die Aussetzung der Refinanzierung belastet die Arbeitgeber zusätzlich. Gleichzeitig sollen tausende Fachkräfte in neue Strukturen abwandern – Kräfte, die in der direkten Pflege dringend fehlen.

Bald geht rund ein Fünftel der Pflegekräfte in den Ruhestand. Statt gegenzusteuern, verschärft der Entwurf die Lage.

Kurz gesagt: Man ignoriert die größte Baustelle und baut daneben neue auf.

5) Die Ungleichbehandlung bei der Gehaltsrefinanzierung

Refinanzierung
Erst hat die Politik dafür gesorgt, dass alle Pflegekräfte auf Tarifniveau bezahlt werden. Nun bekommen private Dienste diese Gehälter nicht mehr voll refinanziert – tarifgebundene Einrichtungen dagegen schon.

 Wenn private Dienste unter unfairen Bedingungen arbeiten müssen, gefährdet das ihr Bestehen. Am Ende geht es um Ihre Versorgung und um Ihre freie Wahl des Dienstes.

Für private Anbieter der häuslichen Krankenpflege, Haushaltshilfe und außerklinischen Intensivpflege entsteht eine gesetzlich verordnete Wettbewerbsverzerrung.

Die ungleiche Behandlung befeuert das Abwerben von Pflegekräften – politisch entfacht, in einer Zeit, in der jede Kraft zählt.

Kurz gesagt: Gleiche Arbeit, gleiche Gehälter – aber ungleiche Regeln. Das ist zutiefst unfair.

Warum uns das nicht ruhen lässt

Vielleicht denken Sie: „Das sind doch Detailfragen der Politik.“ Doch diese Details entscheiden darüber, ob Ihre Mutter zu Hause bleiben kann. Ob Sie als pflegender Angehöriger einmal durchatmen dürfen. Ob es morgen noch einen Pflegedienst gibt, der Sie kennt und dem Sie vertrauen.
Genau hier liegt die Gefahr des Entwurfs. Er redet von Modernisierung, doch in der Praxis dünnt er die Versorgung aus. Er verspricht Stabilität, doch er nimmt Familien die Flexibilität, die sie täglich brauchen. Diese Lücke zwischen Versprechen und Wirklichkeit dürfen wir nicht hinnehmen.
Für uns steht der Mensch im Mittelpunkt – nicht der Paragraf. Deshalb sprechen wir offen aus, was viele fühlen, aber selten hören: So darf diese Reform nicht kommen.

Die Lösung: Gemeinsam für eine ehrliche Reform

Lösung
Es gibt einen anderen Weg. Pflege braucht verlässliche Rahmenbedingungen und eine Reform, die Versorgung wirklich stärkt. Das bedeutet konkret:
  •  Bewährte Beratungsstrukturen erhalten und die vertraute Nähe zu den Pflegediensten bewahren.
  • Die Flexibilität der Verhinderungspflege und ambulanter Angebote schützen, damit Familien handlungsfähig bleiben.
  • Den Personalmangel endlich ernst nehmen und Teams entlasten, statt sie zusätzlich zu belasten.
  • Faire Refinanzierung für alle Dienste sicherstellen – gleiche Regeln für gleiche Arbeit.
Diese Ziele sind erreichbar. Wir müssen sie nur laut genug einfordern, solange der Entwurf noch im parlamentarischen Verfahren ist.

Hinter der Initiative steht der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e.V. (bpa) – die größte Interessenvertretung privater Pflege- und Sozialdienstleister in Deutschland, mit mehr als 14.000 Mitgliedseinrichtungen. Der bpa hat die Initiative PNOGchio ins Leben gerufen, um auf die gravierenden Schwächen des Gesetzesentwurfs aufmerksam zu machen und eine deutliche Nachbesserung im parlamentarischen Verfahren einzufordern. Weitere Informationen finden Sie unter https://www.bpa.de/pnog.

Wir bei der AIR Kranken- und Intensivpflege GmbH sind als ambulanter Pflegedienst unmittelbar von den geplanten Änderungen betroffen. Die drohenden Einschnitte bei Beratungsleistungen, Verhinderungspflege und Gehaltsrefinanzierung treffen uns – und damit auch die Menschen, die wir täglich versorgen – direkt. Deshalb tragen wir die Anliegen des bpa aus voller Überzeugung mit: Gute Pflege braucht faire Rahmenbedingungen. Und die müssen jetzt eingefordert werden.

Was Sie jetzt tun können

Petition
Auf das Bild klicken und zur Online-Petition gelangen. Innn.it ist eine deutsche, unabhängige Petition- und Kampagnenplattform
Ihre Stimme zählt. Je mehr Menschen die Folgen dieses Entwurfs verstehen, desto größer ist die Chance auf eine echte Nachbesserung.
  • Informieren Sie sich über die Hintergründe der Initiative auf https://www.bpa.de/pnog.
  • Sprechen Sie darüber – in Ihrer Familie, mit Nachbarn und Freunden. Teilen Sie diesen Beitrag.
  • Machen Sie Ihre Sorgen sichtbar, damit die Stimme der Pflege im politischen Verfahren gehört wird.

Pflege lebt von Vertrauen, Nähe und Verlässlichkeit. Lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass genau diese Werte auch im neuen Gesetz Bestand haben. Für die Menschen, die Pflege brauchen – und für alle, die sie mit Herz leisten.

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